Leoluca Orlando (*1947) war zwischen 1985 und 2000 Bürgermeister von Palermo. Er erlangte durch seinen erfolgreichen Kampf gegen die Mafia internationale Bekanntheit und wurde zu einem der schärfsten Widersacher Silvio Berlusconis. 2012 und 2017 wurde er erneut zum Bürgermeister von Palermo gewählt. Er ist Träger der Goethe-Medaille, erhielt 2005 der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück, 2008 den Konrad Adenauer-Preis, 2013 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis und 2018 den Heine-Preis der Landeshauptstadt Düsseldorf.

Ausführliche Biografie

Leoluca Orlando wurde 1947 in Palermo als Sohn eines Juristen und einer sizilianischen Aristokratin geboren. Er wuchs mit sechs Geschwistern auf, studierte Rechtswissenschaft in Palermo und Heidelberg und engagierte sich ab 1975 bei der Partei Democrazia Cristiana. Gleichzeitig verfolgte er eine akademische Karriere und war nicht nur Professor für Rechtswissenschaft, sondern auch Berater des Präsidenten von Sizilien, Piersanti Matarella, bis dieser 1980 von der Mafia getötet wurde. Mit Piersanti Matarellas Tod begann Orlandos politischer Weg, der vor allem vom Kampf gegen die Mafia geprägt war. 1985 wurde er zum ersten Mal zum Bürgermeister Palermos gewählt. 1991 trat er aus der Democrazia Cristiana aus und gründete nach seinem Rücktritt als Bürgermeister die Partei La Rete (Das Netz). Noch im selben Jahr wurde er mit seiner neuen Partei in das sizilianische Parlament gewählt. Dort trat er für eine transparentere Politik ein und engagierte sich gegen die Mafia. Als die Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino 1992 durch Bombenattentate ums Leben kamen, stand auch er auf der Todesliste der Mafia. Die Gefahr für sein Leben war in den Neunzigerjahren so groß, dass er als »wandelnde Leiche« bezeichnet wurde. Er floh mit seiner Frau an einen geheimen Fluchtort und überlebte, doch bis heute steht er unter ständigem Polizeischutz.

Unter Orlando als Bürgermeister erlebte Palermo, das damals auch mit dem Beirut der Achtzigerjahre verglichen wurde, den Frühling von Palermo. Während seiner Amtszeit wurden viertausend Mafiosi inhaftiert und die Zahl der Mafia-Morde, die sich auf jährlich zweihundertfünfzig belaufen hatte, nahm ab.

1993 wurde er wieder zum Bürgermeister Palermos gewählt, von 1994 bis 1999 saß er im Europaparlament und wurde 1997 mit beinahe 60% der Stimmen erneut als Bürgermeister von Palermo bestätigt. Um für das Amt des Präsidenten von Sizilien zu kandidieren, trat Orlando als Bürgermeister zurück und wurde Mitglied der demokratischen Partei Romano Prodis. Er unterlag dem Berlusconi nahestehenden Kandidaten der Mitte-Rechts-Partei und führte danach die Opposition an. Seit 2006 ist Orlando Abgeordneter im italienischen Parlament und Sprecher der Italia dei Valori Partei, die von dem Anti-Korruptionsrichter Antonio di Pietro geführt wird. 2012 wurde Orlando zum vierten und 2017 zum fünften Mal zum Bürgermeister Palermos gewählt. Seither engagiert er sich in besonderem Maße für Flüchtlinge, die sich an die Küste Siziliens retten können. Er tritt dafür ein, dass alle Menschen das Recht haben, zu migrieren, um ein besseres Leben führen zu können. Deshalb begrüßt er alle ankommenden Flüchtlingsschiffe persönlich mit den Worten: »Willkommen! Das Schlimmste ist vorüber. Sie sind nun Bürger von Palermo.« Getreu seinen Worten haben alle Migranten in Palermo das Recht, zur Schule zu gehen, Zugang zu medizinischer Versorgung und – vor allem – das Recht zu arbeiten, sobald sie mehr als zwei Monate in Palermo gelebt haben. Auch wenn er nicht beeinflussen kann, ob die Migranten ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht in Italien bekommen, ist er sich sicher, dass seine Politik von den Palermitanern, die ihn 2017 mit 75% der Stimmen im Amt bestätigt haben, unterstützt wird.

Daneben war Leoluca Orlando auch schriftstellerisch tätig. 2004 erschien Der sizilianische Karren: Geschichten. In Ich sollte der Nächste sein: Zivilcourage – die Chance gegen Korruption und Terror (2002) und in Ich sollte der Nächste sein: Ein Politiker im Fadenkreuz der Mafia (2010) schildert er seine Erfahrungen mit der Mafia in Sizilien.

Er ist Träger der Goethe-Medaille (1999) und wurde mit dem European Civic Prize (2000), dem Bayard Rustin Human Rights Award (2000), dem Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück (2005), dem Konrad-Adenauer-Preis der Stadt Köln (2008), dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis (2013) und dem Heine-Preis der Landeshauptstadt Düsseldorf (2018) ausgezeichnet.

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Außen atemberaubende Schönheit, innen brodelnde Lava – eine Insel mit vielen Gesichtern