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Garry Disher: Beweiskette
Leseprobe

Pete fuhr an dem Gelände vorbei zum hinteren Ende des Naturschutzgebiets und parkte dort neben einem Toilettenhäuschen, das er schon Anfang der Woche ausgespäht hatte: schmierige Ziegel, verstunken, an seiner Bestimmung ließ es keinen Zweifel. Er ging hinein, kontrollierte, ob er allein war, und verkleidete sich mit einer grauen Perücke, einem grauen Schnurrbart zum Ankleben, einem weißen Laborkittel und einer schwarzen Hornbrille mit Fensterglas. Dann fuhr er zur Trevally Street und hielt an einer Stelle, wo das Sonnenlicht, das durch die Platanen fiel, Muster auf ihn und seinen Van warf, und die Umrisse verzerrte. Er rauchte nicht, aber er hatte an einem Tatort schon die Kippen von anderen Männern weggeworfen, um die Bullen zu verwirren.

Dann wartete er. Er stand neben der offenen Tür des Vans und hielt ein Klemmbrett in der Hand. Die Zeit verging. Vielleicht musste sie nachsitzen, vielleicht war sie im Hort, vielleicht trödelte sie noch auf dem Schulhof herum. Pete ging bis zur Straßenecke und wieder zurück. Sie würde sicher bald kommen, den Fahrradhelm schräg auf den glänzenden Locken, und verträumt vor sich hin radeln, während ihr der Rucksack gegen die mit leichtem Flaum bedeckte Wirbelsäule schlug.

Vielleicht kam sie auch nicht, aber zweimal hatte Pete sie schon dabei beobachtet, wie sie nach der Schule diesen Umweg genommen hatte. Statt auf direktem Weg war sie die Trevally Street entlang bis zum Strandpark gefahren, zu den Verlockungen der Waterloo Show mit ihren Autoscootern, dem Riesenrad, der Verrückten Maus, der Geisterbahn, der Zuckerwatte. Die Kirmes zog alle möglichen Kinder an, aber Pete hatte sich für eines von ihnen entschieden. Er ging auf und ab, die Wagentür war leicht geöffnet, und er lauschte den Bienen, die in den Rosenbüschen summten.

Dann tauchte sie auf. Genau so, wie er es sich vorgestellt hatte. Er stand da und wartete, als sie näher kam.

Schließlich war sie neben ihm. Er stellte sich ihr in den Weg und sagte: »Deine Mama ist krank geworden. Ich soll dich zu ihr bringen.«

Sie schaute ihn skeptisch an, ganz zu Recht, aber sein Kittel sah nach Arzt aus, nach Krankenpfleger oder Sanitäter, und er setzte auf ihren ureigenen Instinkt, bei ihrer Mutter sein zu wollen. »Ist schon in Ordnung«, sagte er und sah sich nach beiden Richtungen um, »spring rein.« Falls nötig, würde er ihr das Fischputzmesser zeigen.

Sie stieg ganz reizend vom Fahrrad, ihre schlanken Finger spielten an ihrer Halsbeuge, um die Schnalle ihres Helms zu öffnen. Pete war überwältigt. Als sie sich dabei an einem kleinen elektronischen Spielzeug, das ihr an einer Schnur um den Hals baumelte, verhedderte, da juckte es ihm in den Fingern, ihr zu helfen.

»Möchtest du etwas trinken?«, fragte er, nachdem sie sich angeschnallt hatte und Fahrrad, Tasche und Helm auf der Ladefläche lagen. Beide hatten sie das Spielzeug vergessen, das nun auf dem Streifen Gras neben dem krummen Zaun lag. »Limonade«, fügte er hinzu und schüttelte eine alte Isodrinkflasche. »Magst du Limonade?«

Sie nahm die Flasche. Er beobachtete die Schluckbewegungen des Kehlkopfs. »Durstig, hm?«, fragte er wohlwollend.

Dann startete Pete den Wagen.

 


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