Murat Uyurkulak

Zorn

Roman
Aus dem Türkischen von Gerhard Meier
Mit einem Nachwort von Jens Peter Laut
Türkische Bibliothek
»Die Revolution war einst eine Wahrscheinlichkeit, und sie war sehr schön.«
 Hardcover
€ 22.95, FR 30.90, €[A] 23.60
gebunden
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352 Seiten
ISBN 978-3-293-10011-4
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Ein alter Kämpfer, mit Beinamen »der Dichter«, und ein junger Enthusiast reisen zufällig im selben Zugabteil nach Diyarbakir, trinken, rauchen Hasch, reden, bis »der Dichter« auf einmal dem jungen Mann ein Konvolut mit Manuskripten in die Hand drückt und sagt: »Los, lies!« Die lose miteinander verwobenen Erzählungen, Beschreibungen und Gespräche handeln, wie der junge Mann bald feststellt, von seinem Vater, den er nie kennengelernt hat. Gleichzeitig wird damit die Geschichte einer ganzen Generation erzählt, die die Hoffnung auf eine Revolution nie aufgegeben hat.

Dieses Erstlingswerk ist eine literarische Sensation und sorgte bei seinem Erscheinen für Furore, weil der Roman auf hohem sprachlichen Niveau sämtliche Tabus bricht. Gleichzeitig hat der junge Autor mit Zorn die inoffizielle Geschichte der Türkei seit den Fünfzigerjahren bis heute geschrieben.

Stimmen

»Bald nach seinem Erscheinen 2002 entpuppte sich der Roman als Ereignis und machte den Schriftsteller Murat Uyurkulak quasi über Nacht in der Türkei bekannt. Tabubruch eins: die Geschichte der Türkei wird aus der Perspektive der revolutionären Linken geschrieben. Tabubruch zwei: Sexualität wird unverblümt dargestellt.«

Grundrisse - Zeitschrift für linke Theorie und Debatte, Wien

»Eine große Überraschung ist die Sprachkraft dieses Dichters, sie ist beeindruckend und ein besonderes Erlebnis für den Leser.«

Mechthild Lück, Rundbrief Verband Ev. Büchereien in Hessen und Nassau e.V., Darmstadt

»Ein Roman, mit dem der Leser sich auseinandersetzen muss, er ist unverblühmt, radikal und besitzt Sprengkraft.«

Katharina Keller, Mittelbayerische Zeitung, Regensburg

»Die linken Revolutionäre sind bei Uyurkulak nicht zu Helden glorifiziert. Es sind schwache Splittergruppen, Versehrte, merkwürdige Propheten, an ihrem Revolutionsschmerz krankende Einzelkämpfer, die ihrerseits ebenfalls nie Demokratie gelernt haben.«

Malve Gradinger, Bayerischer Rundfunk, München

»Ein rasanter Roman, hochpolitisch und brisant. Und ein Stück große Literatur.«

Heike Demmel, Griechisch Radio, Radio Z, Nürnberg

»In seinem orientalischen Schelmenroman, der die westeuropäische Rationalität sprengt und der Fantasie alle Grenzen öffnet, bleiben keine menschlichen Schwächen oder Laster ausgeklammert. Das Epos über die inoffizielle von der staatlichen Zensur verdrängte Geschichte der modernen Türkei schlägt über weite Passagen in ein komödiantisches Slapstick–Trauerspiel um. Der Roman erinnert an einen Erzählteppich aus anatolischen Märchen, deren Handlungslinien ineinanderfließen und deren Handlungsträger sich unüberschaubar vermehren.«

Herbert Gebert, Nürnberger Zeitung

»Seine Vielschichtigkeit, die erst im Laufe der Geschichte deutlich werdende Verknüpfung der Figuren und die dichte Sprache machen ›Zorn‹ zu einem Leseereignis.«

Anne Reinert, Neue Osnabrücker Zeitung online

»›Zorn‹ ist das aufregende Projekt einer Verwandlung von politischer in ästhetische Energie. Der Furor von Uyurkulaks nur scheinbar primitiver, unverblümter Sprache macht eine verbogene Triebkraft der türkischen Politik sichtbar. Und spiegelt etwas von der Wut der türkischen Linken. Der Strom aus Erinnerungsfetzen, Momenten der Bewusstlosigkeit beider Protagonisten und Yusufs Lektüre der zerfledderten Notizbücher des Vaters ist dabei auch sinnbildlich für die Schwierigkeit der türkischen Linken, ihre vergessene, ungeschriebenen Geschichte aufzurufen. Und sie spiegelt ihre Schwäche und Zerrissenheit wider.«

Ingo Arend, Freitag, Berlin

»Nicht nur politisch schreibt Uyurkulak gegen den Strich, sondern auch motivisch uns stilistisch. Sex und Alkohol sind keine Tabuthemen; und die Sprache schlägt Purzelbäume. Lautmalereien schieben sich ebenso in die schlanken Sätze wie etwa Fäkalwörter. Aber bei aller Widerständigkeit des Werks: Mit der Zeit fahren wir voll ab auf diesen Trip.«

Alexandra Kedves, Tagesanzeiger, Zürich

»Am Ender einer chaotischen Reise fährt der Zug in den Bahnhof ein und auch der Leser ist erschöpft und atemlos. Aber man spürt, dass man Teilnehmer einer faszinierenden Lesereise durch die Sprachtäler und –höhen des Orients war, von der man keine Station missen möchte.«

Rainer Paasch-Beeck, Kieler Nachrichten

»Murat Uyurkulak entwickelt aus dieser ratternden, besoffenen Zugfahrt einen hinreissenden politischen Roman. Seine sprachliche Unverblümtheit entzaubert den Mythos einer leuchtenden Guerilla, ohne aber ihr Scheitern zu verlachen. ›Zorn‹ ist ein virtuoser, ungebärdiger und gleichwohl differenzierter Roman über die ›condition humaine‹ – nicht nur in der Türkei.«

Der Landbote, Winterthur

»Und dann kommt einer wie Uyurkulak, Jahrgang 1972, und mischt uns auf. Mit dem, was er erzählt – Geschichten und Episoden der revolutionären türkischen Linken aus den fünfziger Jahren bis zum Militärputsch 1980 – und damit, wie er erzählt: laut, konkret, poetisch, liebevoll, verzweifelt, deftig, großmaulig und zart.«

Christian Schuler, Stuttgarter Zeitung

»Aus der Flut der türkischen Literatur, die anlässlich der Frankfurter Buchmesse über die Tische der Händler schwappt, sticht der Roman ›Zorn‹ von Murat Uyurkulak einsam heraus. Wie ein mit Sprengstoff beladener Güterwaggon steht er auf den Gleisen und wartet darauf, dass jemand daran rüttelt. Und dann: Bäng! Krach! Bumm! Hoch geht die literarische Sprengladung.«

Bernd Melchiar, Kleine Zeitung LesensART, Graz

»Eine Fantasie, auf die sich alle Angehörigen der verlorenen Generation einigen können, die seit den Fünfzigerjahren gemordet und unterdrückt haben, zu Kapitulation und Rückzug gezwungen wurden. Der Roman schlägt einem die Realität der Elendsquartiere mit ihren Kindern, die einen Blick auf den reich gedeckten Tisch beim Leichenschmaus erhaschen, und ihren alten Frauen, die seufzend auf den Tod warten, wie Backpfeifen um die Ohren. Zorn erzählt davon, in welche Not Unterdrückte und Herumgestoßene im alltäglichen Leben geraten können und welch große Macht zur Veränderung die Rache in sich trägt, die aus dieser Not heraus wächst.«

Hakan Gülseven

»In scharfer, ironischer Sprache wird die politische Geschichte der Türkei von den Fünfziger- bis in die Neunzigerjahre hinein erzählt.«

Özlem Altunok

»›Zorn‹ ist die Reise eines Dichters und eines Korrektors, der auszog, sich und seinen Vater, mit anderen Worten: die Welt, kennenzulernen und zu zerstören. Doch vor allem geht der aus Emotionen gestrickte Roman gegen das Gebilde von Staat und Macht an.«

Halim Safak Imlasiz

»Ein fantastischer Stil, in Konstruktion, Sprache und Tempo atemlos – ein schönes Romandebüt.«

A. Ömer Türke

»Die Dichtung selbst verbindet die Protagonisten im Roman untereinander, sie spielt auch eine bedeutende Rolle dabei, den Roman zu einem Ganzen zu verbinden.«

Asuman Kafaoglu Büke

»Ich habe Murat Uyurkulaks Roman gelesen, von dem in letzter Zeit ziemlich viel gesprochen wird. Man muss dem Autor wirklich gratulieren, da er – im Alter von 31 Jahren – seinen Namen unter einen so eigenständigen und erfolgreichen Roman gesetzt hat. Der Roman ist eine überzeugende Projektion all dessen, was man in den letzten Jahren erlebt hat. Der Zug, der nach Diyarbakir fährt, ist zur Zuflucht jener geworden, die revoltierten und Wunden davontrugen.«

Suzan Samanci

»Schreiend und doch still, ohrenbetäubend und doch einem Seufzer gleich wird diese opulente und anrührende Geschichte in einer kristallklaren und leichtfüßigen Sprache geschildert.«

Sim Campbell

»Ich hatte nicht gewusst, wie eifersüchtig man auf ein Buch sein kann.«

Umay Umay

»›Zorn‹ erzählt von einer langen Reise nach Diyarbakir; es ist letztlich eine Zeitreise. Yusuf, die Hauptperson, arbeitet als Korrektor in einem Verlagshaus, und jener, der mit ihm zusammen im Zugabteil sitzt, ist der Dichter, der Yusuf zu seinem Vater bringt. Da von Menschen und Jahren in einem außerordentlich verschachtelten Stil erzählt wird, lösen sich die Rätsel, die zu Beginn unentwirrbar scheinen, nach und nach auf und erhalten einen Sinn.«

Asuman Kafaoglu Büke

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Bibliografie

Originaltitel: Tol (2002)
Originalsprache: Türkisch
Erstauflage: 1.9.2008
Auflage: 1