Nagib Machfus

Das Buch der Träume

Aus dem Arabischen von Doris Kilias
»Träume sind eine Realität, in der die Grenzen des Alltäglichen nicht mehr existieren.« Nagib Machfus
Taschenbuch
gebunden
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UT 464
192 Seiten
ISBN 978-3-293-20464-5
€ [D] 9.90 / sFR. 14.90
Unionsverlag
 Taschenbuch
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Nagib Machfus wagt in seinem letzten zu Lebzeiten erschienenen Buch noch einmal etwas radikal Neues.
Schwerelos, halluzinatorisch steigen in seinen Träumen Geschichten an die Oberfläche des Bewusstseins: Bruchstücke aus seiner Kindheit, Erinnerungen an Frauen, die er geliebt hat, Episoden mit alten Weggefährten, geschichtliche Umwälzungen. Nagib Machfus folgt den Spuren der Erinnerung, er gewährt uns Einblick in seine innere Welt und wirft gleichzeitig Schlaglichter auf ein ganzes ägyptisches Jahrhundert.
Als Nagib Machfus 1994 von religiösen Fanatikern attackiert wurde, war auch die rechte Hand verletzt, und er musste erst mühsam wieder schreiben lernen. Ein Weg dazu führte über das Aufzeichnen seiner Träume, die er ab 1999 regelmäßig in der ägyptischen Frauenzeitschrift »Nisf al-Dunya« (»Die Hälfte der Welt«) veröffentlichte. In den letzten Lebensjahren entstand so ein Traumtagebuch, in dem Nagib Machfus mit höchst verdichteten Texten noch einmal etwas für die arabische Literatur Neues wagt.

Stimmen

Es handelt sich um faszinierende Kunstwerke: gleichzeitig dicht und transparent, präzise und schwebend, klar und rätselhaft.

Wera Schneefeld, Kommune - Forum für Politik Ökonomie Kultur, Frankfurt am Main, 1.6.2008

Diese glasklaren und fein geschliffenen Prosaminiaturen sind wunderbare Stücke Literatur, die von gewöhnlichen Traumprotokollen wirklich sehr weit entfernt sind. Er arbeite lange daran, erklärte Machfus dieses ungewöhnlichste seiner literarischen Unternehmen, aus seinem räumlichen Eindruck eines Traums eine Geschichte zu machen: "Jede beginnt mit einem Traum, und jede transzendiert den fraglichen Traum. Nur so wird daraus Literatur." Dieses Verfahren ergibt jeweils einen ungeheuer starken Eindruck, der über ganz einfache Worte, ohne jedes Geschwurbel und literarische Knalleffekte zustande kommt.

Katharina Döbler, Deutschlandradio Kultur, Berlin, 1.2.2008

LeserInnen müssen keine TraumdeuterInnen sein, sie können ganz einfach der Poesie folgen, die kurzen, maximal 2-seitigen Texte genießen, um dann wieder zu Machfus' Romanen zu greifen. Als Minuten-Lektüre durch Landschaften und Stadtviertel sehr zu empfehlen.

Christina Gastager-Repolust, Bibliotheksnachrichten, Salzburg, 1.2.2008

Dieses außergewöhnliche Buch ist nicht nur Zeugnis einer Gesellschaft, die ihn geprägt (und bedroht) hat. Es ist mehr, gelingt es Machfus doch auch, die menschliche Seele in ihren Abgründen erbarmungslos (auch dem Ich-Erzähler selbst gegenüber) aufzudecken.

Ute Evers, Neues Deutschland, Berlin, 24.1.2008

Viele verschiedene Erzählminiaturen sind zu einer wunderbaren Traumlandschaft verflochten. Nagib Machfus' Traumtagebuch ist ein buntes Karussell aus Farben und Illusionen.

Clara Schott, Buchprofile, Bonn, 22.1.2008

Machfus schreibt realistische Träume auf, mit all ihren Diskontinuitäten und wilden Unerklärlichkeiten, ihrem Mangel an Logik und sinnhaftem Zusammenhang. Die Bilder aber, die sie herstellen, sind von hoher Suggestivkraft. Ein radikal subjektives Werk, wie es wohl nur jemand mit der moralischen und ästhetischen Autorität des 1911 Geborenen schreiben darf, der quasi im Alleingang den arabischen Roman geformt und durch mehrere literaturhistorische Epochen geführt hat.

Catherine Newmark, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.1.2008

Im Traumkabinett des autoritätskritischen, die Aufklärung vorantreibenden Autors präsentieren sich bizarre Situationen, mitunter beklemmende, dann wieder heiter befreiende.

Florian Vetsch, St. Galler Tagblatt, 14.1.2008

Es ist eine kafkaeske Welt, die Machfus` Traumtexte vor dem Leser aufsteigen lassen. Mit ihrer gespenstischen Atmosphäre nennen sie die Atmosphäre der ägyptischen Realität beim Namen. Sie tun es mit der Lakonik von Märchen, die es jedem Zensor schwermacht, sie als Tatsachenbehauptungen zu verteufeln.

Renate Wiggershaus, Frankfurter Rundschau, 22.12.2007

Nagib Machfus erzählt seine Träume in einer dichten, klaren parabolischen Prosa. Hier ist kein Wort zu viel, und keines trumpft auf. Wunderbar ist, wie der greise Autor in seinen Träumen längst Entschwundenes und Gegenwärtiges in eins sieht: Nichts ist vergangen, alles trifft sich in magischer Gegenwart, die Lebenden und die Toten. Dem für seine ausladenden, detailreichen Romane berühmten Autor ist hier noch einmal etwas Neues geglückt, eine Summa ganz eigener Art.

Manfred Papst, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag, 11.11.2007

Was im ›Buch der Träume‹ von der ersten Seite an frappiert, ist die Knappheit und Dichte, mit der das Traumgeschehen gefasst und vergegenwärtigt wird. Machfus leistet dies, indem er auch das Diffuse, das Sprung- und Rätselhafte frontal angeht, es sozusagen zur Selbstverständlichkeit erklärt und nie mit der Eigenart eines Traumbilds kokettiert, indem er es schildernd oder reflektierend vor dem Leser ausstellt. Diese Traumtexte schleifen noch eine weitere Facette in seine Kunst und vermitteln zudem einen einzigartigen Blick auf die Persönlichkeit des Schriftstellers. Das Wunderbarste aber, um dessentwillen allein sich die Lektüre des Buches schon lohnt, ist der Horizont, der sich dem Hochbetagten in den Begegnungen mit Verstorbenen auftut. Freunde und Geliebte, Staatsgrössen und ehemalige Feinde scheinen zwanglos die Grenze zwischen den Welten zu passieren.

Angela Schader, Neue Zürcher Zeitung, 8.10.2007

Ein märchen- und zauberhaftes Panoptikum des Schemenhaften und Unergründlichen, der Verheißungen und der Absurditäten. Mit Dutzenden für sich stehenden, bruchstückhaften Traum-Geschichten entführt Machfus in die Geschichte seines Landes und den Alltag auf den Straßen Kairos ebenso wie in die eigene Erinnerungs- und Gedankenwelt.

Bücher, Essen, 1.8.2007
 

Dokumente

Nagib Machfus: Träume aus der Zeit der Genesung 
Kolumne in der ägyptischen Zeitung »Al-Ahram«, November 2000
Mohamed Salmawy: Nagib Machfus über sein »Traumtagebuch« 
Kolumne in der ägyptischen Zeitung »Al-Ahram«, Mai 2006
Amina Elbendary: Life is but a dream 
Besprechung in »Al-Ahram Weekly«

Nachrichten

Autoren-Seiten

Andere Werke von Nagib Machfus

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Über den Aufbruch der ägyptischen Jugend
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»Mit einer unerschöpflichen, augenzwinkernden Fabulierkunst mischt Machfus Fantastisches mit Profanem.« Regina Karachouli, Sächsische Zeitung
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»Packende Dialoge, ein fundierter Einblick in die ägyptische Gesellschaft und eine Innenschau in die Seelenlage der Menschen, deren Ideale und Schwächen.« Special to Review
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Die schöne Kurtisane Radubis, von der schon Herodot berichtete, wird in Nagib Machfus’ Roman zur zentralen Figur in einem groß angelegten Panorama des alten Ägypten.
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Eine vergangene Welt wird lebendig mit ihren Palästen und Tempeln, Priestern und Sklavinnen, Handwerkern und Beduinen.
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Eine abenteuerliche Reise zum Ende der Welt und eine Reise zum eigenen Selbst. Machfus nimmt sich die großen Reisenden aus der Blütezeit des Islam zum Vorbild für Ibn Fattumas Entdeckung ganz und gar heutiger Lebensentwürfe und Utopien.
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»Was geht dich das alles an? Warum sitzt du hier herum und hörst Dir Dinge an, die dich einen Dreck kümmern?«
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Ein farbenprächtiges Kaleidoskop, in dem eine ganze Epoche und ihre Menschen lebendig werden.
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»Mit wunderbar leichter Hand geschrieben – wie sie nur wenige Autoren auf dem Gipfel ihrer Meisterschaft erlangen.« Freitag
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»Zwischen Himmel und Erde, zwischen Gold und Dornen gibt es zahlreiche Wege.« Nagib Machfus
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»Gewiss ist dieses Alterswerk auch als ein Credo des ägyptischen Nobelpreisträgers zu lesen, der als Achtzigjähriger bekannte, er spüre, dass die Grundlage seines Lebens auf Erden einzig die Liebe war.« Sächsische Zeitung
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»Mit der Weisheit des Alters und einer unerschlöpflichen, augenzwinkernden Fabulierkunst mischt Machfus Phantastisches mit Profanem.« Regina Karachouli, Sächsische Zeitung
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»Wer dieses Werk liest, wird mit Vergnügen und Dankbarkeit Erkenntnis finden - durch etwas, das als wunderlicher Anachronismus gilt: Weisheit. Machfus besitzt sie.« Nadine Gordimer
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»Pflichtlektüre nicht nur für Amtsstuben!« Dresdner Neueste Nachrichten
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»Als ich begann, Romane zu schreiben, hielt ich die europäische Form des Romans für unantastbar. Aber man wird älter und sieht die Dinge anders. Und man sucht nach einem eigenen Ton, ganz tief in sich selbst.« Nagib Machfus
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Der dritte Band der Kairo-Trilogie: »Reich die Zusammenhänge der religiös-sozialen Lebensabläufe, tief die einfließende Psychologie, modern der trotzig aufbegehrende innere Monolog, lebendig Licht und Schatten.« Die Presse, Wien
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»Nagib Machfus' Novellen sind wie Klangproben, manchmal auch wie eine Fermata, wie ein Anlauf auf ein neues Orchesterwerk, auf einen neuen Roman.« Neue Zürcher Zeitung
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Der zweite Band der Kairo-Trilogie: »Nirgends zuvor hat sich ein arabischer Autor mit soviel Selbstironie an Sentimentales gewagt, mit soviel Augenzwinkern und derber Komik, Lust und Gier beschrieben.« Berliner Zeitung
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»In seinem allegorischen Realismus stellt das Buch eine scharfe Anklage dar gegen die geistigen Verführer, die aufwiegeln, statt aufzuklären, und dann zu Verrätern werden.« Frankfurter Rundschau
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Der erste Band der Kairoer Trilogie: »Der Baedeker zu Ägyptens Seele.« Newsweek
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»Es ist nicht unbedingt die Norm, dass eine Rezensentin bei dem Werk eines Nobelpreisträgers zuerst die rechte und dann erst die linke Seite liest, weil sie es nicht aushalten kann vor Spannung.« Schweizer Bibliotheksdienst
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»Über kein anderes Buch ist so viel Tinte geflossen wie über diese Parabel, die jahrzehntelang Kontroversen und leidenschaftliche Debatten ausgelöst hat.« Süddeutsche Zeitung
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»Die sensibel geschilderten Protagonisten des Romans vermitteln mehr Erkenntnisse über den Zustand Ägyptens als Hunderte von Artikeln und Fernseh-Dokumentationen es je vermochten.« Süddeutsche Zeitung, Stuttgart
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»Die Gasse ist für mich das Symbol für die ganze Welt, und je nachdem, wie ich sie haben wollte, habe ich sie geformt.« Nagib Machfus

Bibliografie

Originaltitel: Ahlam Fatrat al-Naqaha (Kairo, 2005)
Originalsprache: Arabisch
Erstauflage: 22.9.2009
Auflage: 1