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Assia Djebar

Frau ohne Begräbnis

Roman
Aus dem Französischen von Beate Thill
»Diese außergewöhnliche und tragische Geschichte ist einer von Djebars schönsten Romanen. Mit dem ihr eigenen Talent beschreibt sie Zoulikha als Mutter, Geliebte, Freundin und Kämpferin. Ein Roman von ungeheurer Intensität.« Liberté, Algier
 Taschenbuch
€ 9.90, FR 13.90, €[A] 10.20
Broschiert
Sofort lieferbar
UT 302
208 Seiten
ISBN 978-3-293-20302-0

 
Die »Frau ohne Begräbnis«, das ist Zoulikha, die einst Wand an Wand mit Assia Djebars Familie in Cherchell wohnte. In aller Stille knüpfte sie unter den Frauen der Stadt ein Netz des Widerstands gegen die französische Herrschaft, floh 1957 in die Berge, wurde von der Kolonialarmee gefasst und verschwand spurlos.
Diese außergewöhnliche, freimütige, lebenslustige und gebildete Frau ist in ihrer sprühenden Lebenskraft gegenwärtig geblieben bei allen, die um sie waren. Ihre beiden Töchter, Madame Lionne, die Wahrsagerin, Nachbarinnen und Weggefährten lassen sie mit ihren Stimmen wieder aufleben, gewinnen dadurch selbst neue Kraft und treten aus dem Schatten. Und die Erzählerin selbst - sie findet endlich den Mut, sich dieser Gestalt zu nähern und den Raum ihrer Kindheit wieder zu entdecken.

Mehr über dieses Buch

Die Idee für dieses Buch entstand 1970 bei der Recherche für den ersten Dokumentarfilm, als die Autorin und Filmemacherin die Kinder der Nationalheldin Zoulikha interviewte. 1981 begann Assia Djebar mit der Niederschrift, legte das Manuskript jedoch nach vierzig Seiten wieder weg. »Später fragte ich mich, warum ich sie völlig vergessen hatte, diese außergewöhnliche Frau, über die ich so viel wusste. Damals glaubte ich wohl, es bringe uns in Algerien nicht weiter, über eine tote Heldin zu schreiben. Aber natürlich, inzwischen ist bei uns soviel Schreckliches geschehen … und ich machte mich sofort ans Schreiben, als ich völlig überraschend das alte Manuskript wieder fand.«

Nach zwanzig Jahren hat sie den Roman nun vollendet. Tragisches Detail: Sie arbeitete in ihrem New Yorker Apartment fieberhaft am Abschluss des Textes, druckte ihn spät nachts endlich zum ersten Mal aus – und am nächsten Morgen waren so viele Tote unter den Twin Towers begraben.

Es wird das Leben von Zoulikha Oudai beschrieben. Sie wuchs als Bauernkind auf, arbeitete als Französischlehrerin, war dreimal verheiratet und hatte vier Kinder. 1957 beschloss sie, im Kampf gegen die Kolonialmacht Frankreich zu den Waffen zu greifen. Sie verließ ihre Familie und lebte in den Bergen zusammen mit anderen Guerillakämpfern. Zwei Jahre später wurde sie von französischen Soldaten gefangen genommen und ermordet. Es gab nie ein offizielles Begräbnis.

Mit der bewegenden Geschichte von Zoulikha beschreibt Djebar gleichzeitig das Schicksal einer ganzen Generation während des Unabhängigkeitskrieges in Algerien. Während die Mütter in den Widerstand gingen, blieben die Töchter alleine zurück. Djebar versteht es, die historischen Fakten durch Fiktion zu ergänzen. Sie selbst sagt dazu: »Früher schrieb ich mit einer gewissen Distanz. Heute behandle ich dieselben Themen, indem ich viel freier zwischen Fakten und Inspiration oszilliere.«

»Während ihrer beiden ersten Ehen ging Zoulikha frei auf die Straße, wie eine Französin. Weil sie aber in der dritten Ehe in eine sehr traditionelle Stadt kam, trug sie den Schleier, aber es störte sie nicht, denn sie liebte ihren Mann. Der Schleier bekommt nun also einen Sinn, der von den gängigen Vorstellungen hierzulande abweicht – es gibt eben keine absoluten Wahrheiten. Die Wirklichkeit ist immer vielfältig.«

»In gewisser Weise ist dieses Buch ein Protest, weil die Historiker so viel Arbeit versäumt haben. Es läge ja eigentlich an ihnen, nicht an den Schriftstellern. Es gibt einen dringenden Bedarf an Geschichtsschreibung über Frauen in Algerien und in den meisten islamischen Ländern. In meinem Land zum Beispiel glaubt man, dass es emanzipierte Frauen erst seit dreißig, vierzig Jahren gibt, also seit der Unabhängigkeit. Und dann stellt man fest, dass es schon in den Zwanzigerjahren Pionierinnen wie Zoulikha gab.Die Aufgabe des Schriftstellers ist es ja nur, den Schattengestalten Leben zu verleihen, Vertrautheit, Nähe. Im Grunde habe ich mich mit diesem Buch von einer inneren Schuld freigeschrieben.«

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Bibliografie

Originaltitel: La femme sans sépulture (Paris, 2002)
Originalsprache: Französisch
Erstauflage: 21.7.2004
Auflage: 1