Friedrich Gerstäcker

Friedrich Gerstäcker, geboren 1816 in Hamburg, wanderte nach einer kaufmännischen Lehre 1837 in die USA aus. Er schlug sich in den verschiedensten Berufen durch und durchwanderte als Jäger den Kontinent von Kanada bis Texas. Zurück in Deutschland, veröffentlichte er ab 1843 Romane und Reiseberichte, die ihn zum gefeierten Autor machten. Er fand zahlreiche Nachahmer. So hat Karl May zahlreiche Passagen und Motive aus Gerstäckers umfangreichen Werk direkt übernommen. Friedrich Gerstäcker starb 1872 in Braunschweig.

Ausführliche Biografie

Friedrich Wilhelm Christian Gerstäcker wird am 10. Mai 1816 in Hamburg in eine Künstlerfamilie geboren. Als der Vater, ein Opernsänger, 1825 an der Schwindsucht stirbt, fehlt seiner Mutter das Geld, um ihn und seine Geschwister durchzubringen. So wird der junge Friedrich nach Braunschweig in die Obhut des Onkels gegeben. Nach der Schule beginnt er eher widerstrebend eine Kaufmannslehre, bricht diese jedoch bald ab und kehrt zu seiner Mutter zurück. Von den Werbetrommeln verschiedener Auswanderervereine verführt, fasst er den Entschluss, nach Amerika überzusiedeln. Zunächst soll er allerdings auf Wunsch der Mutter eine landwirtschaftliche Lehre absolvieren, um sich auf das zukünftige Farmerleben vorzubereiten. 1837 geht sein Traum in Erfüllung: Gerstäcker wandert nach Nordamerika aus. Die folgenden Jahre sind unstet, er reist bis in die entlegensten Winkel des Subkontinents. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er nicht nur als Farmer und Jäger, sondern auch als Matrose, Koch, Silberschmied, Schokoladenhersteller und Hotelier.

Als ihn 1843 das Heimweh packt, muss er sich das nötige Geld für die Rückreise verdienen. In Deutschland lässt er sich in Dresden nieder. Sein in den sechs Jahren amerikanischen Wanderlebens geführtes Tagebuch wird zur Quelle für sein schriftstellerisches Schaffen, besonders für seinen Debütroman Streif- und Jagdzüge durch die Vereinigten Staaten von Nordamerika, der 1844 erscheint. Seine in der Neuen Welt gemachten Erfahrungen und die Übersetzung anglofoner Autoren – zum Beispiel Hermann Melville – helfen Gerstäcker, seine eigene literarische Stimme zu finden. Die Jahre in Dresden (1843–1849) sind äußerst produktiv. Es entstehen unter anderem Die Regulatoren in Arkansas und Die Flusspiraten des Mississippi, die zu Gerstäckers größten Erfolgen werden. In diesen und anderen Romanen verleiht er dem in Amerika Erlebten so große Anschaulichkeit, dass selbst Karl May Landschaftsbeschreibungen, Handlungsstränge und Figuren von ihm entlehnt.

1849 packt ihn erneut das Fernweh, obwohl seine Bindung an Deutschland durch die Heirat mit Anna Sauer und die drei Kinder stärker geworden ist. Er unternimmt zwei große Reisen – unter anderem nach Südamerika, Kalifornien, Australien, Java und in die Südsee –, auf denen er unter Goldsuchern und Walfängern lebt. Die Briefe aus der Heimat erreichen ihn selten, und so erfährt Gerstäcker erst vom Tod seiner Frau, als er 1861 aus Südamerika heimkehrt. Um ihren Verlust zu überwinden, wird er Reisebegleiter des Herzogs von Sachsen-Coburg-Gotha in Ägypten und heiratet ein zweites Mal – packt aber schon bald wieder seine Koffer. Die Erinnerungen an seine Jugendabenteuer führen ihn erneut in die USA. Durch den Bürgerkrieg und die Befreiung der Sklaven findet er Amerika stark verändert vor. Es ist das letzte Mal, dass Gerstäcker in ein fremdes Land aufbricht. Während der Vorbereitungen einer neuen Reise nach Asien stirbt er am 31. Mai 1872 im Alter von sechsundfünfzig Jahren an einem Hirnschlag.

Er hinterlässt ein vierundvierzig Bände umfassendes Œuvre, das neben den bekannten Abenteuerromanen auch zahlreiche Dorfgeschichten enthält und bei jungen und alten Lesern sehr beliebt ist. Zu seinen Lebzeiten und noch Jahrzehnte nach seinem Tod ist Gerstäcker einer der meistgelesenen deutschen Schriftsteller. Zusammen mit Charles Sealsfield, Karl May und Balduin Möllhausen gehört er im 19. Jahrhundert zu den bedeutendsten Autoren ethnografischer Abenteuerromane.

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    Der Schriftsteller, bei dem Karl May sich den Stoff für seine Geschichten holte