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Alai

Ferne Quellen

Roman
Aus dem Chinesischen von Marc Hermann
»Alai ist einer der wirklich raren Glücksfälle der Gegenwartsliteratur.« Märkische Allgemeine Zeitung
 Hardcover
€ 14.90, FR 23.90, € [A] 15.40
gebunden
In anderer Ausgabe lieferbar
160 Seiten
ISBN 978-3-293-00405-4

 
Der scheue Junge verbringt seine Zeit lieber mit dem Pferdehirten auf den weiten Bergwiesen als mit den Menschen unten im Dorf. Oft erzählt ihm dieser von den fernen, heißen Quellen, in denen Männer und Frauen in heiterer Eintracht baden und von ihren Krankheiten genesen. Nichts wünscht sich das Kind seither sehnlicher, als zu diesen Heilquellen zu gelangen und der Enge seines Dorfes zu entfliehen. Als er viele Jahre später als Bezirksfotograf zu den Quellen vordringt, erlebt er eine bittere Enttäuschung: Wo einst das Wasser sprudelte und zum ausgelassenen Bad einlud, findet er eine hässliche, verlassene Betonlandschaft. Eine verfehlte Entwicklungspolitik hat eine Investitionsruine hinterlassen. Ein Traum ist gestorben.

Stimmen

»Ein subtiler Einspruch gegen eine Ideologie des Fortschritts, ein Kunstwerk.«

Ulrich Baron, Basler Zeitung

»Humor und Witz, die dem Autor von ›Roter Mohn‹ in so überfliessend reichem Masse zur Verfügung standen, sind dem Erzähler vergangen. Ihm bleibt nur noch die Erinnerung. Was er auf der Folie des schönen Bildes der ›fernen Quellen‹ bietet, ist eine schwarze ökologische Tragödie, die von Zerstörung und unwiderruflichem Verlust handelt.«

Ludger Lütkehaus, Neue Zürcher Zeitung

»Der Roman ist ein Werk der leisen Töne. Es beschreibt anhand von unter die Haut gehenden Bildern, wie ein Volk ›begradigt‹ wird, es beschreibt wie man ihm die Freude durch den vermeintlichen chinesischen Fortschritt raubt. Es ist aber auch ein Roman zum Träumen, denn es beschreibt auch unsere Sehnsucht nach der Ferne, dem Unbekannten, dem Anderen, die nur noch in unseren Erzählungen existiert.«

Anna Gaul, Preussische Allgemeine Zeitung, Hamburg

»In der Leichtigkeit, mit der Alai erzählt, bleibt die Unauflöslichkeit der Zusammenhänge erhalten. Das Alte und das Neue, Kunst und Macht, Erfolg und Freiheit, Sehnsucht und Wirklichkeit sind Gegensätze, die doch immer aufeinander bezogen sind. Er zeigt Tibet, wie wir es nicht erwarten: ohne Mönche und viel weniger fremd als gedacht. Seine Traurigkeit ist weltumspannend, wie es auch seine Hoffnung ist.«

Irmtraud Gutschke, Neues Deutschland, Berlin

»›Ferne Quellen‹ umkreist über einen längeren Zeitraum Mythos und Realität der Heilquellen, die zu Tibets Naturschätzen gehören. Als Erwachsener sucht der Erzähler nach dieser Quelle, in der Männer und Frauen gemeinsam badeten, umringt von Festzelten und Gelächter. Die Welt, die sich damit verbindet, ist verschwunden, ›die Kinder unseres Volkes haben sie zerstört‹.«

Brigitte Helbling, Berliner Zeitung

»Alais wunderbar trauriger Roman erzählt von gleich mehreren Untergängen: Der Mythos der Tibeter von Schönheit und Freiheit wird abgelöst von der Sozialromantik des Maoismus. Beide wiederum hat der Mythos vom schnellen Geld überwunden.«

Martin Zähringer, Stuttgarter Zeitung

»Der Leser wird mit einem poetischen Puzzle belohnt. Nicht nur, dass erst in der Mitte des Romans erstmals von ›Tibet‹ als Ort der Handlung die Rede ist. Die Geschichte umfasst Jahrzehnte, springt nach Tokio und zurück zur ›Zauber–Quelle‹, ohne dass es der Geschichte schadet. Bleibt verwunderlich, dass diese mutige Fortschrittskritik nicht zensiert wurde.«

Sören Kittel, Welt am Sonntag, Berlin

»Alai verbindet in seiner melancholischen Erzählung die Klage um die Vergänglichkeit landschaftlicher Schönheit mit der Anklage gegen politische und ökonomische Fehlplanungen, die die Tibeter auch weiterhin, im Namen eines vermeintlichen Fortschritts, ihrer angestammten Lebensweise entfremden.«

Barbara Hoster, China heute, St. Augustin

»Sein kleiner Roman verbindet die abgründige Magie eines romantischen Kunstmärchens mit einer ganz realistisch begründeten Kritik selbstherrlicher Funktionärswirtschaft. Was von den fernen Quellen bleibt, ist die Sehnsucht nach ihnen – die stärkste Kraft, die Literatur zu entfesseln vermag.«

Ulrich Baron, Spiegel online, Hamburg  Online einsehen

»Mit tibetischer Weisheit und Poesie versucht Alai uns zu zeigen wie ›Fortschritt‹ unter dem Druck politischer falscher Ideologien Tradition und Land verändern kann und er braucht dazu nur knappe 150 Seiten. Alai ist einer der wichtigsten Vertreter der zeitgenössischen tibetischen Literatur, absolut lesenswert!«

Beatrice Doppler, SBD bibliotheksservice ag, Bern

»Manche Autoren haben die Gabe, ihre Leser mit zwei drei Worten an die Hand zu nehmen und gar nicht mehr loszulassen. Alai ist so einer. Wenn der tibetisch-chinesische Autor erzählt, mag man nicht mehr aufhören mit dem Lesen. Das ferne China und die noch ein wenig ferneren Tibeter der Provinz Sichuan sind mit einem Mal ganz nah, der Leser mittendrin. Nicht zuletzt ist dies eines der wenigen Bücher über und aus dem tibetischen Kulturkreis, das ohne Dalai Lama auskommt.«

Francoise Hauser, In Asien, Frankfurt

»Alai hat eine Erzählkraft, die mich in seinen Bann zieht. Er findet immer wieder neue Wendungen und schlägt mit der Figur des Gongba eine Brücke zum Fantastischen und Magischen, und er zerstört trotz aller Enttäuschungen über die Parteiwirtschaft nicht die Sehnsucht nach einer anderen Welt, in seinem Fall einem anderen Tibet. Ich würde dafür einen Begriff verwenden, den wir auch aus der deutschen Literatur kennen – Poetischer Realismus.«

Ruthard Stäblein, Hessischer Rundfunk

»Alai nimmt nicht allzuviel Rücksicht auf die mächtigen Kader, aber auch nicht auf die Rückständigkeit der Tibeter, wo sie unerträglich ist. Am Ende setzt der Autor jedoch einen merkwürdig symbolischen Akzent, als er den Schädel des längst verwesten Pferdehirten Gongba aufsucht, den er vor seinem Umzug in die Stadt in einen Kirschbaum gesetzt hatte. Der Schädel mit den großen leeren Augen zerfällt nun endgültig zu Staub, ein wunderbarer Akt der Desillusionierung. Die ästhetische Adaption trägt auf überzeugende Weise den zeitkritischen Gedanken des Stückes – die Entfremdung von der Natur und von der Tradition. Auch das poetologische Konzept verweist auf die produktive Orientierung dieses Erfolgsautors in der Weltliteratur. Das Genre heisst in Chinesischen „Zhongpian xiaoshuo“, also etwa Erzählung mittlerer Länge und erinnert in seiner Konstruktion verblüffend an den Stil der deutschen klassischen Novelle. Besonders in der naturphilosophischen Symbolik und im mehrfachen Ansteigen und Fallen der Spannungskurven, die nur vordergründig von der Handlung geprägt sind. Tatsächlich gibt den inneren Takt die poetische Erkenntnis der reinen Schönheit und wahren Natur vor, genauer gesagt – die vergebliche Suche danach.«

Martin Zähringer, SWR
 

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»Mit großer künstlerischer Vollendung eröffnet uns Alai die reiche und geheimnisvolle innere Welt Tibets. Ein Werk wie ›Roter Mohn‹ hat es in der chinesischen Literatur noch nicht gegeben. Ein wahrhaftiges Meisterwerk.«
Mo Yan (Autor von »Das rote Kornfeld« und »Die Schnapsstadt«)

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Bibliografie

Originaltitel: Yaoyuan de Wenquan (2002)
Originalsprache: Chinesisch
Erstauflage: 24.7.2009
Auflage: 1