Nagib Machfus

Das junge Kairo

Roman
Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich
Über den Aufbruch der ägyptischen Jugend
 Taschenbuch
€ 12.95, FR 19.90, €[A] 13.40
broschiert
Sofort lieferbar
UT 604
260 Seiten
ISBN 978-3-293-20604-5
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Als der ambitionierte Student Machgub erkennt, dass es ohne die richtigen Beziehungen keine Jobs gibt, sieht er sich gezwungen, einem trügerischen Abkommen zuzustimmen: Er soll eine Frau, die ihre Unschuld verloren hat, zur Rettung ihrer Ehre heiraten – ohne seine Braut vorher gesehen zu haben. Darüber hinaus fordert der Verführer dieses Mädchens, ein hochrangiger Beamter, weiterhin regelmäßiges Besuchsrecht bei seiner Geliebten. Im Gegenzug erhält Machgub eine Position im Ministerium. Was für ihn zunächst als bloße Überlebensstrategie beginnt, entpuppt sich bald als faustischer Pakt mit unabsehbaren Folgen.

Stimmen

»Den wohl 1946 erstmals publizierten und erst vor wenigen Monaten auf Deutsch erschienenen Roman ›Das junge Kairo‹ darf man als Darstellung von Verhältnissen lesen, die, leicht variiert und globalisiert, Jahrzehnte später zum Sturz von Präsident Hosni Mubarak geführt haben: die fast grenzenlose Korruption und Verkommenheit der administrativen Herrschaftsschicht und das Elend, die Beengung und die Perspektivlosigkeit der jüngeren Generation aus der Mittelschicht. Die Geschichte ist ebenso boshaft wie pikant. Es ist eine ›schöne neue Welt‹ à l`égyptienne, und, wohlgemerkt, wir befinden uns noch vor der häufig als Wurzel allen Übels gebrandmarkten Julirevolution von 1952, der Revolution der ›Freien Offiziere‹ unter General Abdel Nasser.«

Hartmut Fähndrich, Neue Zürcher Zeitung

»Wäre dieser Text zur Zeit seiner Publikation, also kurz nach dem Krieg, ins Deutsche übersetzt worden, er hätte moderner gewirkt als fast alles, was im Umfeld der Gruppe 47 in jenen Jahren publiziert wurde.«

Stefan Weidner, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Ein durch und durch korruptes politisches System, eine Gesellschaft am Scheideweg zwischen laizistischer und religiöser Ausrichtung, eine mehr als prekäre soziale Ausgangslage und ein Charakter, der sich Fragen der Moral nicht leisten kann bzw. gewillt ist, sie weitgehend auszublenden, sind ihre Ingredienzien, die nach Ausbruch der Revolution in Ägypten nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben.«

Katharina Herzmansky, Die Brücke, Klagenfurth

»Ein eindrückliches Zeitdokument, gültig über Jahrzehnte. Und zu lesen wie ein spannender Krimi.«

Luzerner Zeitung

»In eleganten Dialogen und scharf gezeichneten Skizzen beschreibt Machfus die Macht eines Systems, das seine Jugend verbiegt und verdirbt. Dass er dies auf hochgradig spannende Weise tut, man das Buch von der ersten Seite an kaum mehr aus der Hand legen mag, auch diese Kunst mag ihm 1988 den Nobelpreis für Literatur eingetragen haben. ›Das junge Kairo‹ liest sich, als wäre der Roman am Vorabend der arabischen Revolutionen dieses Jahres – und nicht über 60 Jahre vorher geschrieben worden. Machfus lesen heisst, die Hintergründe der ägyptischen Revolution ein wenig besser zu verstehen.«

Kersten Knipp, Westdeutscher Rundfunk 3, Köln

»Nein, das Buch spielt nicht im Kairo von heute, sondern in den 1930er Jahren, als der britische Hochkommissar der ägyptischen Regierung noch verklickert, wo's langgeht. Erschienen ist das Buch 1945, aber an der existenziellen Bedrohung durch Armut und Elend hat sich nichts geändert, wie der ›Arabische Frühling‹ vor Augen geführt hat. Wer Antworten auf die Frage sucht, weshalb es zu den gegenwärtigen Umbrüchen gekommen ist, der wird sie (auch) in diesem ganz und gar nicht aus der Zeit gefallenen Buch finden.«

Christian Ruf, Dresdner Neueste Nachrichten

»Machfus nimmt die Perspektiven verschiedener Figuren ein, bringt schonungslos die sich selbst erhaltenden Strukturen eines Staatsapparats zum Vorschein, er liefert seinen Antihelden ohne Empathie einer existentiellen Notlage aus und lässt ihn beim Versuch scheitern, durch Anpassung und Rücksichtslosigkeit nach oben zu kommen. Und gerade darin ist der Roman so aktuell und lesenswert: Der richtige Weg, das zeigt er mit den Mitteln der Satire, führt im Umgang mit einem erstarrten System gerade nicht hinein, sondern hinaus.«

Andreas Martin Widmann, Literatur Nachrichten, Frankfurt am Main

»Im Hinblick auf die gegenwärtige Situation in Ägypten nimmt man mit Erschrecken die Kontinuität des Elends und der Korruption am Nil wahr; und staunt über die Souveränität, mit der dieser Erzähler, bei Abfassung des Buchs um die dreißig Jahre alt, die moralische Verfassung seines Landes schildert und die Koordinaten der kommenden Krisen vor dem staunenden Leser der Zukunft ausbreitet, ohne sich zu einer Wertung hinreißen zu lassen.«

Stefan Weidner, Deutschlandradio Kultur, Berlin
 

Nachrichten

Autoren-Seiten

Andere Werke von Nagib Machfus

Cover
»Mit einer unerschöpflichen, augenzwinkernden Fabulierkunst mischt Machfus Fantastisches mit Profanem.« Regina Karachouli, Sächsische Zeitung
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»Packende Dialoge, ein fundierter Einblick in die ägyptische Gesellschaft und eine Innenschau in die Seelenlage der Menschen, deren Ideale und Schwächen.« Special to Review
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»Träume sind eine Realität, in der die Grenzen des Alltäglichen nicht mehr existieren.« Nagib Machfus
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Die schöne Kurtisane Radubis, von der schon Herodot berichtete, wird in Nagib Machfus’ Roman zur zentralen Figur in einem groß angelegten Panorama des alten Ägypten.
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Eine vergangene Welt wird lebendig mit ihren Palästen und Tempeln, Priestern und Sklavinnen, Handwerkern und Beduinen.
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Eine abenteuerliche Reise zum Ende der Welt und eine Reise zum eigenen Selbst. Machfus nimmt sich die großen Reisenden aus der Blütezeit des Islam zum Vorbild für Ibn Fattumas Entdeckung ganz und gar heutiger Lebensentwürfe und Utopien.
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»Was geht dich das alles an? Warum sitzt du hier herum und hörst Dir Dinge an, die dich einen Dreck kümmern?«
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Ein farbenprächtiges Kaleidoskop, in dem eine ganze Epoche und ihre Menschen lebendig werden.
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»Mit wunderbar leichter Hand geschrieben – wie sie nur wenige Autoren auf dem Gipfel ihrer Meisterschaft erlangen.« Freitag
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»Zwischen Himmel und Erde, zwischen Gold und Dornen gibt es zahlreiche Wege.« Nagib Machfus
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»Gewiss ist dieses Alterswerk auch als ein Credo des ägyptischen Nobelpreisträgers zu lesen, der als Achtzigjähriger bekannte, er spüre, dass die Grundlage seines Lebens auf Erden einzig die Liebe war.« Sächsische Zeitung
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»Mit der Weisheit des Alters und einer unerschlöpflichen, augenzwinkernden Fabulierkunst mischt Machfus Phantastisches mit Profanem.« Regina Karachouli, Sächsische Zeitung
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»Wer dieses Werk liest, wird mit Vergnügen und Dankbarkeit Erkenntnis finden - durch etwas, das als wunderlicher Anachronismus gilt: Weisheit. Machfus besitzt sie.« Nadine Gordimer
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Die drei Bände der Kairoer Trilogie: »Der Baedeker zu Ägyptens Seele.« Newsweek
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»Pflichtlektüre nicht nur für Amtsstuben!« Dresdner Neueste Nachrichten
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»Als ich begann, Romane zu schreiben, hielt ich die europäische Form des Romans für unantastbar. Aber man wird älter und sieht die Dinge anders. Und man sucht nach einem eigenen Ton, ganz tief in sich selbst.« Nagib Machfus
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Der dritte Band der Kairo-Trilogie: »Reich die Zusammenhänge der religiös-sozialen Lebensabläufe, tief die einfließende Psychologie, modern der trotzig aufbegehrende innere Monolog, lebendig Licht und Schatten.« Die Presse, Wien
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»Nagib Machfus’ Novellen sind wie Klangproben, manchmal auch wie eine Fermata, wie ein Anlauf auf ein neues Orchesterwerk, auf einen neuen Roman.« Neue Zürcher Zeitung
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Der zweite Band der Kairo-Trilogie: »Nirgends zuvor hat sich ein arabischer Autor mit soviel Selbstironie an Sentimentales gewagt, mit soviel Augenzwinkern und derber Komik, Lust und Gier beschrieben.« Berliner Zeitung
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»In seinem allegorischen Realismus stellt das Buch eine scharfe Anklage dar gegen die geistigen Verführer, die aufwiegeln, statt aufzuklären, und dann zu Verrätern werden.« Frankfurter Rundschau
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Der erste Band der Kairoer Trilogie: »Der Baedeker zu Ägyptens Seele.« Newsweek
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»Es ist nicht unbedingt die Norm, dass eine Rezensentin bei dem Werk eines Nobelpreisträgers zuerst die rechte und dann erst die linke Seite liest, weil sie es nicht aushalten kann vor Spannung.« Schweizer Bibliotheksdienst
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»Über kein anderes Buch ist so viel Tinte geflossen wie über diese Parabel, die jahrzehntelang Kontroversen und leidenschaftliche Debatten ausgelöst hat.« Süddeutsche Zeitung
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»Die sensibel geschilderten Protagonisten des Romans vermitteln mehr Erkenntnisse über den Zustand Ägyptens als Hunderte von Artikeln und Fernseh-Dokumentationen es je vermochten.« Süddeutsche Zeitung, Stuttgart
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»Die Gasse ist für mich das Symbol für die ganze Welt, und je nachdem, wie ich sie haben wollte, habe ich sie geformt.« Nagib Machfus

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Mekka: Eine Welt, die in der Literatur noch nie offengelegt wurde

Ausgezeichnet mit dem LiBeraturpreis 2014!

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Gamila und Salma – zwei Lebenswege, die im Nildelta beginnen
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»Nagib Machfus’ Novellen sind wie Klangproben, manchmal auch wie eine Fermata, wie ein Anlauf auf ein neues Orchesterwerk, auf einen neuen Roman.« Neue Zürcher Zeitung
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»Eine eindrucksvolle Synthese der Zustände im Westjordanland und gleichzeitig Ausdruck einer deutlichen Zukunftsvision der Autorin.« Basler Zeitung
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»Der Erfolg dieser palästinensischen Autorin hängt damit zusammen, dass sie literarisch gekonnt umstrittene Themen bearbeitet.« Tages-Anzeiger

Bibliografie

Originaltitel: Al-Qahira al-Jadida
Originalsprache: Arabisch
Erstauflage: 21.2.2013
Auflage: 1